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Schleswiger Kaltblut

von Frederieke Wenning
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Nur wenig verbreitet, aber dafür umso imponierender – Schleswiger Pferde sind eine in Norddeutschland beheimatete Kaltblutrasse mittelschweren Typs, die vorrangig in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet Schleswig-Holstein sowie teilweise in Niedersachsen gezüchtet wird. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die Einkreuzung von Jütländern hervorgegangen, gehen Schleswiger Pferde maßgeblich auf einen einzigen Deckhengst zurück, der durch seine Nachkommen bis heute die Zuchtlinien bestimmt. Bis in die 1950er und 60er Jahre hinein wurden sie vielfach als Arbeits- und Zugpferd im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt. Alles über das Schleswiger Kaltblut erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtige Daten zum Schleswiger Kaltblut im Überblick

  • Ursprung: Deutschland (Schleswig Holstein), Dänemark
  • Hauptzuchtgebiet: Deutschland (Schleswig Holstein)
  • Verbreitung: Deutschland
  • Stockmaß: 154 bis 162 cm
  • Gewicht: ca. 800 kg
  • Erscheinungsbild: Mittelgroßer und mittelschwerer Typ mit kräftigem Hals und kurzem Rücken. Rassetypisch ist die leicht überbaute Hinterhand.
  • Farben: überwiegend Füchse, aber auch Rappen, Schimmel und Braune
  • Haupteinsatzgebiet: Kutsche, Freizeitreiten, Land- und Forstwirtschaft, Holzrückepferd

Welche Kaltblutrassen gibt es?

Zu den Kaltblutrassen zählen beispielsweise die folgenden: Shire Horse, Bretone, Percheron, Ardenner, Noriker, Belgisches Kaltblut und Clydesdale.

Schleswiger Kaltblut – Zuchtgeschichte

Ursprung

Die Entwicklung der Schleswiger Pferde als eigenständige Rasse geht maßgeblich auf das Jahr 1888 zurück, in dem die Zucht von Kalt- und Warmblut in Schleswig-Holstein erstmals durch den damaligen Zuchtverband separiert wurde. Im Zuge der drei Jahre später vollzogenen Vereinigung der Kaltblutzuchtvereine zum Verband der Schleswiger Pferdezuchtvereine erfolgte die Einführung des in einem Oval eingefassten Brandzeichens „VSP“, das noch heute auf den Oberschenkeln der Schleswiger Pferde eingebrannt wird und somit die Herkunft kennzeichnet. Um ein Kaltblut vom Typ Schleswig zu züchten, konzentrierten sich die Bemühungen zunächst auf die Einkreuzung von Oldenburgern, Suffolks sowie von aus Holstein stammenden Hengsten.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der favorisierte Pferdetyp ausblieb, sodass neue Wege der Veredelung gefunden werden mussten. Fortan wurden Jütländer Deckhengste importiert, die allesamt auf einen einzigen Hengst zurückgehen, den 1862 nach Dänemark exportierten Oppenheim, bei dem es sich um einen Suffolk oder Shire handelte. Bis heute bestimmt dieser Deckhengst die Zuchtlinien, denn seit 1930 sind nahezu alle Schleswiger Pferde Nachfahren des Oppenheim-Sohnes Munkedal.

Bis in die 1940er Jahre wurde die Zucht intensiviert und fand mit rund 450 eingetragenen Deckhengsten und 25.000 Stuten im Jahr 1949 ihren bisherigen Höhepunkt. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Maschineneinsatzes im Bereich der Landwirtschaft trat jedoch, wie typisch für alle deutschen Kaltblutrassen, ein Nachfragerückgang ein, der zu einer deutlichen Zurückdrängung der einst so weit verbreiteten Schleswiger Pferde führte. Als 1976 nur noch 5 Hengste und 35 Stuten im Zuchtbuch eingetragen waren, löste sich schließlich auch der Zuchtverband auf. Seither wird die Betreuung durch das Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg sichergestellt.

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Zuchtmethodik & Veredelung

In der langen Zuchtgeschichte der Schleswiger Pferde waren immer wieder verschiedene Rassen an der Weiterentwicklung des Pferdetyps beteiligt, so etwa die englische Kaltblutrasse Suffolk Punch. Aber auch die französischen Kaltblüter Bretone und Boulonnais wurden vorübergehend zur Verbesserung der Zucht verwendet. Letzterer übt dabei in jüngster Zeit zusammen mit dem Jütländischen Kaltblut sowie dem Süddeutschen Kaltblut einen deutlichen Einfluss auf die Zuchtbemühungen aus, da ausschließlich diese drei Rassen zum Erhalt der genetischen Vielfalt und zur rassetypischen Verbesserung in begrenztem Maße eingesetzt werden dürfen. Allerdings muss es sich dabei zwingend um entsprechend leistungsgeprüfte Deckhengste handeln. Darüber hinaus ist das Zuchtbuch der Schleswiger Pferde geschlossen und es wird grundsätzlich die Zuchtmethode der Reinzucht angewendet.

Zuchtbücher/ Zuchtverbände

Zur Erhaltung und Pflege der Rasse wurde 1991 mit dem Verein Schleswiger Pferdezüchter e. V. ein neuer Verband gegründet, der heute etwa 250 Mitglieder umfasst und eng mit dem Pferdestammbuch Schleswig-Holstein/Hamburg e. V. kooperiert. Gemeinsame Körungen und Leistungsprüfungen, Stuten-Vorstellungen und die Organisation des Brennens sind nur einige Aktivitäten, die das gemeinsame Bemühen um den Erhalt der Schleswiger Pferde dokumentieren. Heute sind etwa 30 eingetragene Deckhengste und 250 Zuchtstuten zu verzeichnen.

Wie viel wiegt ein Schleswiger Kaltblut?

Mit einem Gewicht von ca. 800 kg wird diese Rasse zu den mittelschweren Kaltblutrassen gezählt.

Exterieur der Schleswiger Pferde

Größe

Schleswiger Pferde erreichen ein Stockmaß von 154 bis 162 Zentimetern und können mit einem Gewicht von etwa 800 Kilogramm als mittelschweres Kaltblut eingeordnet werden. Mit einer Größe von um die 156 Zentimetern sind die Stuten in der Regel geringfügig kleiner als die circa 1,58 Meter großen Hengste.

Gebäude

Der kurze und trockene Kopf zeichnet sich insbesondere durch seine breite Stirn, die kleinen Augen und sein geradförmiges bis ramsig wirkendes Profil aus, während sich der Hals gut aufgesetzt, aber kurz und kompakt darstellt. Als rundrippiges Kaltblut mittleren Rahmens präsentiert sich der Körper der Schleswiger Pferde mit einem kräftigen und kurzen Rücken, einem tonnenförmigen Rumpf sowie mit einer gut bemuskelten Kruppe in leicht abfallender Formgebung. Starke Gelenke, Beine von guter Länge und eine große, runde Hufe in Kombination zu leicht behangenen, steilen Fesseln machen das Fundament aus. Charakteristisch für Schleswiger Pferde sind zudem die etwas zeheneng gestellten Vorderbeine sowie ein etwas überbaut wirkender Körper.

Fell und Färbungen

Mit Blick auf die Fellfärbung zeigen sich Schleswiger Pferde vor allem als Fuchsfarbene mit hellem, dichtem und meist leicht gewelltem Langhaar. Oftmals fällt bei den Hell- und Dunkelfüchsen auch eine Äpfelung ergänzt durch weißgelblichen Behang ins Auge. Nur selten treten hingegen Braune, Schimmel oder Rappen zutage.

Grundgangarten / Bewegungen / Bewegungsablauf

Beim Schleswiger ist eine fleißige Ausführung von Schritt und Trab erwünscht. Hinsichtlich des Bewegungsablaufes sind insbesondere die raumgreifenden, energischen und taktmäßigen Schritt- und Trabbewegungen bemerkenswert, die erhaben und mit klarem Abfußen sowie beim Trab mit deutlicher Schwebephase erfolgen sollen.

Wie alt wird ein Schleswiger Kaltblut?

In der Regel liegt die Lebenserwartung bei einem Kaltblut zwischen 16 und 18 Jahren.

Schleswiger Kaltblut – Interieur

Entgegen ihrer massigen Erscheinung ist das Schleswiger Kaltblut ein Pferd mit einer guten Portion Temperament und Lebhaftigkeit. Diese zeigen sie gern während der Arbeit, bleiben dabei aber stets umgänglich. Mit einem Arbeitspferd dieser Rasse hat man einen Partner an seiner Seite, der mit viel Spaß Einsatz zeigt und dabei selbst in schwierigen Situationen gelassen bleibt.

Welches Kaltblut eignet sich zum Reiten?

Grundsätzlich kann man jedes Pferd reiten. Aufgrund ihrer Masse ist es jedoch notwendig, einige Kaltblüter-Rassen gezielt beim Muskelaufbau zu unterstützen, um beispielsweise einen versammelten und durchlässig gesprungenen Galopp zu erzielen. Besonders gut zum Reiten eignen sich beispielsweise das Schwarzwälder Kaltblut oder der Noriker.

Besondere Merkmale/Einsatzgebiete der Rasse/Erbkrankheiten

Zu den besonderen Merkmalen dieser Rasse gehört leider die Tatsache, dass das Schleswiger Kaltblut auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter Haustierrassen (GEH) steht. Aktuell gibt es nur noch ca. 200 Stuten und 30 Hengste dieser Rasse. Im Jahr 1988 als auch im Jahr 1996 stand das Schleswiger Kaltblut zudem auf der Liste der gefährdeten Nutztierrassen. Wer sich einen Kaltblüter kaufen möchte, sollte diese Rasse daher näher in Betracht ziehen und die Züchter bei der Erhaltung dieser wertvollen Tiere unterstützen.

Seine Zugkraft in Kombination mit seinem gutmütigen Charakter führen dazu, dass das Schleswiger Kaltblut auch heute noch gern als Arbeitspferd eingesetzt wird. In der Landwirtschaft vor dem Pflug, als Holzrückepferd in Baumschulen und der Forstwirtschaft und auch als Kutschpferd. Letzteres vor allem im Tourismusbereich. Doch auch als Reitpferd hat sich diese Rasse etabliert und überzeugt dort als zuverlässiger Partner. Wer auf der Suche nach einem nervenstarken und dennoch temperamentvollem Partner ist, wird mit einem Schleswiger Kaltblut seine Freude haben und unterstützt zeitgleich diese vom Aussterben bedrohte Pferderasse! Erkennen kann man ein Pferd aus der Schleswiger Kaltblut Zucht übrigens an seinem Brandzeichen: den Buchstaben „VSP“ in einem Oval.

Rassetypische Krankheiten sind nicht bekannt. Auch Mauke kommt trotz Behang nur wenig vor. Diese Rasse gilt als leichtfuttrig, leistungsfähig, robust und anspruchslos. Eine Haltung im Offenstall mit viel Bewegungsmöglichkeiten ist für das Schleswiger Kaltblut ideal und trägt zu seiner Zufriedenheit bei.

Bekannte Pferde der Rasse

Die Reportage „Heiße Liebe zu Kaltblütern“ widmet sich der Rasse Schleswiger Kaltblut.

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