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Belgisches Kaltblut

von Frederieke Wenning
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Das Belgische Kaltblut wird auch als Brabanter, Flämisches Pferd oder Flamländer bezeichnet. Es handelt sich um eine belgische Pferderasse, die ursprünglich aus dem Zuchtgebiet Brabant, einer ehemaligen Provinz Belgiens in der Mitte des Landes, stammt. Die Katblutrasse wird in ihrem Hauptzuchtgebiet Belgien, aber auch in vielen weiteren europäischen Ländern sowie in den USA und in Südamerika gezüchtet. Damit gehört das Belgische Kaltblut zu den Kaltblütern, die weltweit am meisten verbreitet sind. In Deutschland ist eine bedeutende Zucht vor allem an den Niederrhein zu verorten. Äußerlich fällt das Belgische Kaltblut mit seinem massigen und wuchtig wirkenden Gebäude auf. Der kräftige und robuste Körperbau macht es zu einem idealen Zugpferd. Im Mittelalter als Schlachtross und später in der Landwirtschaft als Arbeitspferd verwendet, kommt es heute meist als Wagen- und Kutschpferd zum Einsatz.

Wichtige Daten im Überblick

  • Ursprung: Belgien
  • Stockmaß: 158 – 175 cm
  • Erscheinungsbild: wuchtig, kräftig, harmonisch
  • Farben: Braune, Füchse und Rappen sowie Schimmel
  • Haupteinsatzgebiet: Wagen- und Kutschpferd

Die Zuchtgeschichte des Belgischen Kaltbluts – eine der ältesten Kaltblutrassen Europas

Das Belgische Kaltblut ist in seinem Ursprung ein Nachkomme des Flandrischen Pferdes, das wiederum in seiner Abstammung auf das prähistorische Waldpferd zurückgeht, und damit eine der ältesten Kaltblutrassen Europas. Im Mittelalter waren es die belgischen Kaltblüter, aber auch Ardenner, die bei Schlachten häufig als Streitrosse eingesetzt wurden. In ganz Nord- und Mitteleuropa waren die wuchtigen Großpferde mit ihrem massigen Kaliber ein begehrtes Schlachtross. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten Züchter die Rasse durch strikte Auslese und Reinzucht weiter. Dadurch wurden drei Blutlinien maßgeblich, die auf drei Deckhengste zurückgehen. Die Pferdezucht lag dabei meist in bäuerlicher Hand, da die Kaltblüter neben ihrer Verwendung für den Kriegseinsatz vor allem als Zugpferd in der Landwirtschaft bedeutend waren.

Im Jahr 1866 nahmen die Zuchtbemühungen durch die Gründung des Verbandes Le Cheval de Trait Belge konkretere Züge an. Schon wenige Jahre später, bis 1870, hatten sich drei Zuchtstämme herausgebildet. Dabei handelte es sich zum einen um die Blutlinie Gros de la Dentre, die von dem Hengst Orange I. begründet wurde und vornehmlich Braune hervorbrachte. Daneben gab es die Linie Gris des Hainot, die vom Hengst Bayard abstammte und sich meist mit Schimmeln, Rotschimmeln und Rotfüchsen zeigte. Als dritte Zuchtlinie kam die Blutlinie Colosses de la Mahaique hinzu, die auf den Stammhengst Jean I. zurückging, ebenfalls ein Brauner. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangten die Belgischen Kaltblüter durch Exporte in alle Welt und wurden fortan auch häufig zur Veredelung verwendet. So hatte die Pferderasse einen bemerkenswerten Einfluss auf andere Kaltblutrassen weltweit.

Belgisches Kaltblut Verkaufspferde bei ehorses

Wie viele Pferderassen war jedoch auch das Belgische Kaltblut seit Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend von der Motorisierung der Landwirtschaft betroffen und wurde immer weniger als Zugpferd eingesetzt. Maschinen ersetzten nun die Kraft des Kaltbluts, sodass fortan die Verwendung als Wagen- und Kutschpferd im Vordergrund stand. Die Zucht ging zurück, geriet aber nie in Gefahr, da sich bis heute genügend Kaltblut-Liebhaber finden, die das Belgische Kaltblut mit Passion züchten und erhalten möchten.

Wie groß ist ein Belgisches Kaltblut?

Brabanter erreichen ein Stockmaß zwischen 158 und 175 cm, Hengste sind im Idealfall 170 cm, Stuten 166 cm groß.

Zuchtziel für Brabanter

Auch wenn Brabanter zu den wuchtigsten und kräftigsten Pferderassen gehören, sorgt ihr harmonischer Körperbau dafür, dass sie niemals plump wirken. Züchter achten vor allem auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Unterbau und Rückenlänge. Das Belgische Kaltblut soll einen kurzen, breiten und geraden Rücken haben, Stuten dürfen jedoch etwas länger sein als Hengste.

Weitere Zuchtziele für Brabanter sind:

  • mittelgroßer Kopf,
  • breite Stirn,
  • kleine, weit auseinanderstehende Ohren,
  • dichter Schopf,
  • breiter, kurzer Hals,
  • muskulöse, abfallende Schulter,
  • niedriger Widerrist,
  • kräftige, breite Brust,
  • steile, runde Kruppe,
  • tief angesetzter Schweif,
  • kräftiges Fundament,
  • große, flache Hufe und
  • viel Behang an den Fesseln.
Belgisches Kaltblut frisst auf der Wiese

Auch wenn Brabanter zu den wuchtigsten und kräftigsten Pferderassen gehören, sorgt ihr harmonischer Körperbau dafür, dass sie niemals plump wirken.

Belgisches Kaltblut – Die Zuchtmethode

Das Belgische Kaltblut gehört zu den Pferderassen, die mit der Methode der Reinzucht gezüchtet werden. Zum Erreichen des Zuchtziels ist jedoch eine Veredlungszucht möglich. Somit darf Erbgut aus anderen Zuchtbeständen hinzugenommen werden. Als Veredlerrassen kommen dabei verschiedene europäische Rassen infrage. Hierzu gehören unter anderem:

  • Anglo-Normanne
  • Belgische Rassen wie der Ardenner, das Belgian Draught Horse oder das Belgiske Hest DK
  • Französische Rassen wie Boulonnais, Bretone, Cheval de Trait Auxois, Cheval de Trait Belge und Cheval de Trait du Nord
  • Niederländische Rassen wie das Friesenpferd und Het Nederlandse Trekpaard
  • Jütländer
  • Noriker
  • Norfolk Roadster
  • Percheron
  • Pinto (Typ-Kaltblut)
  • Deutsche Kaltblüter wie Rheinisch-Deutsches Kaltblut, Sächsisch-Thüringer Kaltblut, Westfälisches Kaltblut, Schwarzwälder Kaltblut und Schleswiger Kaltblut
  • Russisches Kaltblut
  • Schwedisches Kaltblut
  • Shire
  • Tschechisches Kaltblut

Belgisches Kaltblut – das Exterieur des Brabanters

Ein Belgisches Kaltblut erreicht ein Stockmaß von 158 bis 175 Zentimetern und zeigt sich mit einem vergleichsweise wuchtigen und kräftigen Gebäude. Der mittelgroße Kopf weist eine breite Stirn, kleine Ohren und einen langen, dichten Schopf auf. Der kurze und breite Hals geht in eine muskulöse und steile Schulter und eine gut bemuskelte und breite Brust über. Typisch sind darüber hinaus ein niedriger Widerrist, ein kurzer und breiter Rücken sowie ein tiefer und gut gewölbter Rumpf. Die Kruppe ist beim Belgischen Kaltblut rassetypisch steil und rund. Ebenso kräftig präsentiert sich auch das Fundament mit seinen kurzen Beinen und dem tief angesetzten Schweif. Kennzeichnend sind gut markierte, breite und stabile Gelenke, kurze und steile Fesseln sowie die großen, flachen Hufen. Nicht zuletzt zeichnet sich das Belgische Kaltblut durch reichlich Behang aus. Bei den Fellfarben treten sowohl Braune, Füchse und Rappen als auch Braun-, Fuchs-, Rapp- und Apfelschimmel auf. Besonders häufig kommen Rotschimmel mit schwarzen Punkten vor. Außerdem sind laut Rasseportrait alle Abzeichen zugelassen.

Die wichtigsten Merkmale des Exterieurs im Überblick

  • Stockmaß von 158 bis 175 Zentimetern
  • Typ: Kaltlbut
  • Zugpferd mit wuchtigem und kräftigem Körperbau
  • mittelgroßer Kopf mit dichter und langer Mähne
  • Fellfarben: Braune, Füchse und Rappen sowie Schimmel dieser Färbungen; alle Abzeichen erlaubt
  • viel Kötenbehang

Impressionen der Rasse

Wofür ist ein Brabanter geeignet?

Der stämmige, gehorsame Brabanter eignet sich ideal als Zug- oder Kutschpferd, außerdem wird er noch heute bei der Holzernte und in der Krabbenfischerei eingesetzt. Inzwischen kaufen auch viele Freizeitreiter sich gern ein Belgisches Kaltblut, da Anfänger und Fortgeschrittene es gleichermaßen gut reiten können.

Das Interieur des Belgischen Kaltbluts – freundliche und ruhige Pferde mit Gehorsam

Ein Belgisches Kaltblut ist als sehr ruhiges, lernwilliges und aufmerksames Pferd bekannt, das sich durch Motivation, Sanftmut und Gehorsam auszeichnet. Typisch für den Charakter sind eine hohe Lernbereitschaft, Gutmütigkeit und Freundlichkeit in der Zusammenarbeit und im Umgang mit Menschen. Die Kaltblüter haben einen ausgeprägten Willen, zu gehorchen, und lassen sich schnell motivieren, da sie gerne lernen. Nicht zuletzt schätzen Kaltblut-Fans die große Kraft und die Zuverlässigkeit des Brabanters. Noch dazu handelt es sich um eine sehr robuste, gesunde und langlebige Pferderasse.

Die wichtigsten Merkmale des Interieurs im Überblick

  • ruhig, freundlich und umgänglich
  • lernbereit und sehr gehorsam
  • gesund und langlebig
Belgisches Kaltblut liegt auf Wiese

Ein Belgisches Kaltblut ist als sehr ruhiges, lernwilliges und aufmerksames Pferd bekannt.

Wissenswertes rund um das Belgische Kaltblut

Belgisches Kaltblut: Der Bewegungsablauf

Erwünscht ist beim Belgischen Kaltblut laut Rasseportrait ein ökonomischer und harmonisch wirkender Bewegungsablauf. Der Schritt soll sich durch einen guten Schub aus der Hinterhand und eine große Schrittlänge auszeichnen, während der Trab fördernd und raumgreifend mit einer aktiven Hinterhand erscheinen soll. Der Galopp ist im Idealfall bodendeckend und locker. Ein mangelnder Raumgriff, ein fehlender Hinterhand-Schub oder eine Unreinheit im Takt werden hingegen nicht gern gesehen.

Einsatzmöglichkeiten

Belgische Kaltblüter sind Großpferde, die extrem stark und robust sind. Sie gehören zu den kräftigsten Zugpferden überhaupt und wurden daher nicht als Reitpferd, sondern traditionell als Arbeitspferd in der Landwirtschaft eingesetzt. Heute hat sich dieses Einsatzgebiet gewandelt. Verbreitet ist die Verwendung als Wagen- und Kutschpferd im Freizeitbereich. Aber auch bei Festumzügen werden Belgische Kaltblüter gerne eingesetzt, um schwere Brauereikutschen zu ziehen, und erweisen sich dabei als absoluter Blickfang. Passanten und Zuschauer sind von dem imposanten Äußeren beeindruckt. Darüber hinaus gibt es Wettbewerbe für Kaltblüter, bei denen die Brabanter ihre Zugkraft unter Beweis stellen und mit anderen Pferden messen können. Nicht zuletzt kommen sie in der belgischen Krabbenfischerei zum Einsatz, da sie mit ihrer Kraft auch schwere Lasten ohne Probleme tragen können. Das Belgische Kaltblut ist zwar kein typisches Reitpferd, kann aber durchaus als Familien- und Freizeitpferd für das Reiten verwendet werden. Dennoch ist es vergleichsweise schwer, eine Reitbeteiligung zu finden, da nur wenige Belgische Kaltblüter für das regelmäßige Freizeitreiten eingesetzt werden. Meist liegt der Schwerpunkt einer Reitbeteiligung dann auf Kutschfahrten. Im Rahmen der Zucht kommen Belgische Kaltblüter als Deckhengste und Zuchtstuten zum Einsatz.

Brabanter – Gesundheit und rassetypische Krankheiten

Brabanter zeichnen sich durch eine robuste Gesundheit aus und leiden nicht unter rassetypischen Erkrankungen. Allerdings kann eine falsche Ernährung ernste gesundheitliche Folgen haben. Besonders gefährlich ist eine Unterversorgung mit Mineralien, die zu Kotwasser führen und auch Ekzeme oder Mauke hervorrufen kann. Wegen ihres hohen Gewichts und der damit verbundenen Belastung für die Gelenke sind Flamländer anfällig für degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose. Deshalb sollten Jungpferde noch nicht stark belastet werden, und auch im späteren Leben gilt es, jede Überlastung oder Fehlbelastung zu vermeiden.

Belgisches Kaltblut steht am Wassertank

Brabanter zeichnen sich durch eine robuste Gesundheit aus und leiden nicht unter rassetypischen Erkrankungen.

Belgisches Kaltblut – Haltung

Das Belgische Kaltblut ist zwar in seiner Haltung sehr anspruchslos, braucht aber wegen seiner Ausmaße eine große Stallbox von mindestens 14 bis 16 Quadratmetern. Für den Transport reicht ein üblicher Pferdeanhänger zumeist nicht aus und auch das Zubehör von Sattel über Decke bis zu Zaumzeug muss für dieses Pferd in Übergröße angeschafft werden. Wer einen Brabanter halten möchte, muss deshalb mit einigen zusätzlichen Kosten rechnen.

Dafür sind die gutmütigen und lernbegierigen Pferde so leicht zu erziehen, dass auch Anfänger mit ihnen zurechtkommen. Die Kaltblüter sind immer mit voller Aufmerksamkeit und Einsatzfreude dabei, wenn sie etwas lernen dürfen. Sie lassen sich problemlos reiten oder als Zugtiere einspannen und setzen jedes Kommando gehorsam um.

Was ist das schwerste Pferd der Welt?

Der Brabanter gilt neben dem Shire Horse als schwerste Pferderasse der Welt. Der bisher massigste Flamländer war ein Rotschimmel-Hengst namens Brooklyn Supreme, der 1,98 m maß und gut 1.400 kg auf die Waage brachte.

Belgisches Kaltblut – Ernährung und Pflege

Früher wurde ein Belgisches Kaltblut oft für schwere Arbeiten eingesetzt und brauchte entsprechend viel hochwertiges Futter. Da die heutigen Pferde weniger stark ausgelastet sind, neigen sie zu Übergewicht, wenn sie zu reichhaltig ernährt werden. Der Futterbedarf eines Kaltblüters sollte an seinen Aktivitätslevel angepasst werden. Neben Raufutter wie Heu und Gras braucht ein Brabanter besonders viele Mineralstoffe. Es empfiehlt sich, Vitamine und die Spurenelemente Zink, Mangan, Selen und Eisen über Nahrungsergänzungsmittel zuzufüttern.

Ein Brabanter braucht nicht mehr Pflege als andere Pferde. Er muss regelmäßig gestriegelt werden, außerdem sollten Mähne, Schweif und Behänge gründlich durchgekämmt werden. Als wichtige Krankheitsvorsorge dient die Kontrolle der Augen, Zähne und Ohren. Wer die Hufe einmal täglich auskratzt und gründlich reinigt, kann Hufgeschwüren und Fehlstellungen vorbeugen. Die turnusmäßige Untersuchung und Behandlung der Hufe sollte ein Hufschmied übernehmen, der bereits Erfahrung mit Kaltblütern hat und über die nötigen Werkzeuge verfügt.

Bekannte Pferde der Rasse

Eine Berühmtheit unter den Flamländern war Big Jake, seinerzeit das größte Pferd der Welt mit einem Stockmaß von stolzen 2,10 m. Über 10 Jahre hielt er den Weltrekord im Guinnessbuch der Rekorde. Der freundliche Riese mit einem Gewicht von rund 1.200 kg trat in seiner nordamerikanischen Heimat regelmäßig in Shows auf, um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln. Im Juli 2021 ist Big Jake im Alter von 20 Jahren verstorben. Und auch das schwerste Pferd der Welt war ein Belgisches Kaltblut. Der Brabanter Brooklyn Supreme, der im Jahr 1948 starb, hatte ein Gewicht von mehr als 1.400 kg.