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Welche Reitweise ist die Beste?

von Barbara Kronawitter
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„Barockreiter? Das sind doch die Kostümreiter?“ – „Ich bestrafe mein Pferd nicht, wenn es nach mir tritt, wird es schon seinen Grund dafür haben…“ – „Also nein, diese Westernreiter, die reiten doch immer nur auf der Vorhand. Das kann doch nicht gesund sein“ – „Boah, die Englischreiter, die reiten doch alle nur in Rollkur“ – „Du machst Bodenarbeit? Warum sollte ich neben dem Pferd laufen, wenn ich auch reiten kann?“ –  „Also, wir Barrockreiter, wir sind die Besten, weil wir nach den alten Reitkünsten mit feinen Hilfen reiten“ – “ Die Westernreiter? Die können doch nur Renngalopp und sich schnell drehen“ – „Ich verzichte auf alles und reite nur mit Halsring und ohne Sattel, ich lasse mein Pferd einfach Pferd sein“

So oder ähnliches hört man in vielen Foren, auf Stallgassen und in sonstigen öffentlichen Medien. Aber was stimmt? Wer hat recht? Und wie zum Teufel bilde ich mein Pferd nun richtig aus? Fragen über Fragen….

Westernreiten

Die Reitweise des Westernreitens hat seinen Ursprung im wilden Westen. Hier waren die Pferde Arbeitstiere, bzw. der Arbeitskollege des Cowboys, der ihm bei seiner Arbeit, dem Rinder hüten half.

Ziel war es hier, ein nervenstarkes, trittsicheres Pferd zu haben, welches ein hohes Sprintvermögen hat, damit es mit den weg laufenden Rinder mit halten konnte. Ebenso  sollte das Tier in heiklen Situationen ruhig bleiben, also ein ausgewogenes Temperament haben.

Da die Cowboys zum Arbeiten auf dem Pferd saßen, konnten sie nicht immer ihre volle Konzentration auf das Pferd und die Reitkunst widmen, daher reagierte das ausgebildete Pferd auf Signale. Sprich, der Reiter gab dem Tier ein Signal und dieses führte ihn so lange aus, bis der Reiter etwas anderes sagte. Da die Männer im wilden westen oft auch lange Strecken im Sattel zurück legen mussten, war ein bequem gehendes Pferd gewünscht, sprich, wenig Schwung.

Die EWU (erste Westernreiter Union Deutschland e. V.) hat folgende Ausbildungsskala ausgearbeitet:

1. Takt
2. Losgelassenheit
3. Nachgiebigkeit
4. Aktive Hinterhand
5. Symmetrie auf beiden Händen
6. Absolute Durchlässigkeit

Wenn man diese Skala nun einmal mit der der FN vergleicht, erkennt man schnell: Viel ist da nicht um. Nur das einige Punkte anders benannt worden sind und ab Punkt 6 sich die Ziele verändern.

Und darum geht es! Das Ziel des Westernreiten ist, wie oben schon geschrieben, das absolut durchlässige Pferd, das auf feine Signale schnell reagiert, während der Cowboy die Kuh mit im Auge hat.

Englische Reitweise

Diese Reitweise ist mitunter die wohl bekannteste Reitweise und untergliedert sich unter anderem in die uns bekannten Sparten Dressurreiten, Springreiten und Vielseitigkeitsreiten.

Der Ursprung liegt hier in der Heeresdienstvorschrift 12, welche sich mit der Ausbildung von Pferden und Reiter für den Einsatz in der Kavallerie befasst. Vieles aus dieser Dienstvorschrift ist in unsere heutige bekannten Richtlinie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eingeflossen.

Sie befasst sich mit der Ausbildung von Reiter und Pferd. Bei der Erarbeitung dieses Werkes lag im wesentlichen das Buch von Gustav Steinbrecht „Das Gymnasium des Pferdes“ vor. Hier wird genau beschrieben, wie der Reiter seinen Sitzt schult und das Pferd korrekt ausgebildet wird, damit Reiter und Pferd ein vertrauensvolles Miteinander haben und das Tier lange gesund ist und Freude an der Arbeit hat.

Diese Ziele sind auch in unserer heutigen Ausbildungsskala der FN beschrieben:

1. Takt
2. Losgelassenheit
3. Anlehnung
4. Schwung
5. Geraderichtung
6. Versammlung

Als letzter Punkt steht hier nun, anstelle bei den Westernreitern die Versammlung. In der Englischen Reitweise wünscht man sich ein Ausdrucksstarkes Pferd mit tollen Gängen und viel Schwung. Das Pferd soll „schön aussehen“ aber dennoch locker geritten, lange gesund bleiben und Freude an der Arbeit haben. Die Dressurarbeit dient dazu, das Pferd zu lockern, zu gymnastizieren und dem Pferd die Muskeln anzutrainieren, dass es den Menschen ohne Schaden tragen kann.

Barocke Reitkunst

Grob zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Barocke Reitkunst aus der Gebrauchsreiterei der berittenen Kriegsführung stammt. Ein Wandel trat im 17. Jahrhundert ein, in der der Adel die Reitkunst für sich entdeckte. Die Edelleute wurden neben Fechten und Tanzen auch in der Reiterei ausgebildet. Diese wurde als Kunst bezeichnet und im Mittelpunkt stand – welch eine Überraschung – die Gymnastizierung und Gesunderhaltung des Pferdes.

Die Alten, bzw. Barocken Reitmeister legten wert darauf, dem Pferd nur die Lektionen bei zu bringen, die es von Natur aus auf der Koppel zeigt. Wie z. B. Levarden, Paiffe oder fliegende Wechsel. Übungen, die dies nicht erfüllten, wurden nicht beachtet.

Das Pferd wurde zuerst ausgiebig im Trab ausgebildet, bis es in Selbsthaltung piaffierte. Erst dann wurde die Galopparbeit hinzugenommen. Ein weiteres Zeichen war der späte Beginn der Ausbildung, meist erst mit 5, 6 oder 7 Jahren.

Fazit

Wer sich mit den Ursprüngen der Reitweise befasst wird schnell feststellen, dass das Ziel immer das Gleiche ist. Ich könnte noch weitere Reitweisen aufzeigen, deren Ziel dasselbe ist (traurige Ausnahmen gibt es leider auch hier). Es liegt nun am Menschen dies auch so umzusetzen. Es ist falsch den Reitweisen die Schuld zu zuschieben, wenn der Mensch die Ausführung übernimmt und sich nicht immer korrekt an diese hält. Sei es Zeitmangel oder der Ergeiz.

Mehr als verständlich ist es, dass der Mensch sich neue Wege suchen will um dem Pferd gerecht zu werden. Allerdings ist der Weg „ich lasse mein Pferd machen was es will“ auch nicht immer der Beste. Denn das Pferd ist nicht dazu geboren den Menschen zu tragen, daher sind wir in der Pflicht, völlig Reitweisenunabhängig, das uns anvertraute Tier so zu Trainieren, dass es uns lange ohne Schaden zu nehmen tragen kann.

Eine reelle Pferde- und auch Reitausbildung ist anstrengend, kostet Nerven und nimmt viel Zeit in Anspruch. Viel anstrengender für den Menschen ist es jedoch, sich ständig selbst zu reflektieren und die eigenen Fehler einzugestehen und zu beheben. Die eigenen Makel ständig aufgezeigt zu bekommen ist anstrengend und unangenehm, dennoch sind wir es dem uns anvertrautem Tier schuldig, an diesen Makeln zu arbeiten. Das Pferd macht keine Fehler, es reagiert nur auf unsere Anweisungen.

Denn letztendlich ist es völlig egal, nach welcher Reitweise man nicht reiten kann.

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