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Shagya Araber

von Frederieke Wenning
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Der Shagya Araber wird weltweit in Reinzucht gezüchtet, wobei die Stutbücher der nationalen Zuchtverbände geschlossenen sind. Lediglich arabische Vollblüter sind in begrenztem Anteil als Veredler zugelassen, sofern die AV-Hengste gekört und für Shagya Araber zugelassen sind. Zuchtziel ist ein großrahmiges, elegantes und harmonisches Reitpferd mit arabischem Ausdruck, das sich in Typ, Rahmen und Kaliber erkennbar vom Vollblutaraber unterscheidet. Alles über den Shagya Araber erfährst Du in diesem Artikel.

Wichtige Daten im Überblick

  • Ursprung: Ungarn, Slowakei, Tschechien
  • Hauptzuchtgebiet: Ungarn, Deutschland
  • Verbreitung: Mittel- und Osteuropa, USA, Venezuela
  • Stockmaß: 1,50m bis 1,60m
  • Gewicht: 450kg bis 600kg
  • Erscheinungsbild: elegantes Pferd im arabischen Typ
  • Farben: vor allem Schimmel; Rappe, Fuchs, Brauner selten
  • Haupteinsatzgebiet: Reitpferd, Fahrpferd, Zuchtpferd

Ist ein Araber ein Vollblüter?

Shagya Araber zählen zu den Vollblütern.

Zuchtgeschichte vom Shagya Araber

Ursprung

Grundlage für eine schlagkräftige Armee war eine leistungsfähige und vom Ausland unabhängige Pferdezucht. Deshalb wurde der Pferdefachmann József Csekonics vom östereicheischen Kaiser Joseph II im Dezember 1784 damit beauftragt in Ungarn möglichst schnell „eine Pflanzschule einer schöneren, besseren und stärkeren Gattung Pferde“ zu schaffen. Hierzu sollten „2000 Stuten, die besten, die zu diesem Zwecke geeignet sind“ angeschafft werden.

Die Grundlage bildeten moldauische, tscherkessische, siebenbürgische, türkische, spanische und holsteinische Mütter. Alle eingesetzten Zuchtpferde, zunächst unterschiedlicher Abstammung, sollten bei bester Qualität neben „Geist und Noblesse bei einem gut organisierten Körperbau“ und vor allem „die volle Prüfung überstanden haben“. Csekonics betrachtete die Mutterstuten als Grundlage der Zucht, auf deren Qualität die Zucht aufgebaut werden musste. Alte und geprüfte Mütter wurden behalten, geschwächte Mutterstuten mit Ruhepausen und guter Ernährung wieder aufbaut, jedoch weichliche Stuten „welche Missgeburten erzeugen“ und diejenigen die ihre Fohlen schlecht nähren, sollten samt ihrer Nachzucht ausgemustert werden. Nachdem der gewünschte „Schlag erreicht sei“, sollte kein Wechsel bei den Vater- und Mutterpferden mehr stattfinden, das heißt, die Rasse sollte ab da rein weiter gezüchtet werden. Bereits 1785 wurde damit begonnen alle Abstammungen der Zuchtpferde festzuhalten. Für diesen Zweck wurde 1789 das der damaligen Rindertreiberstraße gelegene Gut Bábolna angekauft und ausgebaut, das bis heute erfolgreich Shagya-Araber züchtet.

Die ersten sechs erbeuteten arabischen und türkischen Hengste kamen 1816 nach der Niederlage Napoleons, aus dem französischen Hengstdepot „Rosiéres aux Salines“ nach Bábolna. Später konnten weitere arabische Hengste angekauft werden. Die zwischenzeitlich von 1822 bis 1832 aus dem k.k. Hofgestüt Kotspan eingesetzten spanischen Hengste bewährten sich nicht und führten zu einer Verschlechterung der Zucht. Um den guten Ruf von Bábolna zu wahren, kehrte man zum ausschließlichen Einsatz von orientalischen Hengsten, vornehmlich aus Syrien und Nordarabien, zurück. Für das als Edelgestüt geplante Bábolna sollten keine Mühen und vor allem keine Kosten gescheut werden, um mit Ankaufsexpeditionen geeignete Pferde zu erwerben. Trotz diverser Rückschläge entwickelte sich mit der „Araberrasse“ ein außergewöhnlich leistungsstarker Pferdeschlag, der bald in ganz Europa besonders beim Millitär hochbegehrt war. Deshalb erzielten die in Babolna ausgemusterten Pferde bei den Versteigerungen sehr hohe Preise.

Neben Babolna und dem in den Karparten gelegenen Radautz wurde die Zucht der urspünglich als „Araberrasse“ bezeichneten Shagya-Araber später auch im tschechischen Topolcianky, im polnischen Janow Podlaski, in Jugoslawien in Borike, im bulgarischen Kabijuk, sowie im rumänischen Mangalia aufgebaut und rein weitergeführt. Zwischen diesen Gestüten fand ein mehr oder weniger regelmäßiger Austausch an Zuchtpferden statt und zur Blutauffrischung wurden immer wieder arabische Hengste und Stuten besonders hoher Qualität importiert. Nach Deutschland kamen die Shagya-Araber(Araberrasse) durch den 2. Weltkrieg. Als besonders hervorragender Vererber erwies sich der Schimmelhengst ‚Shagya‘, welcher der Rasse schließlich ihren Namen gab.

Der Shagya Araber im Video

Shagya Araber Verkaufspferde bei ehorses

Exterieur Shagya Araber

Größe

Die Größe liegt zwischen 150 cm(Stuten) bzw 154cm (Hengste) und 165 cm Widerristhöhe und der Röhrbeinumfang soll nicht unter 18 cm liegen.

Gebäude

Das Gebäude ist mittelgroß und stabil: Der kleine trockene und markante Kopf hat eine leicht konkaves oder gerades Profil. Er soll große, dunkle weit auseinander liegende Augen und große und sehr erweiterungsfähige Nüstern, sowie eine gute Ganaschenfreiheit und regelmäßige Gebissstellung haben. Ideal ist ein langer edler Reitpferdehals mit feiner Kehle, leichtem Genick und gewölbter Kammlinie, der in eine große schräge Schulter übergeht. Der markante weit in den Rücken reichende Widerrist, soll in einen mittellangen gut geschlossenen harmonisch nach unten geschwungenen Rücken mit guter Bemuskelung übergehen und eine elastische Rückentätigkeit, bei einer nur leicht geneigten langen Kruppe ermöglichen. Das Vorderbein ist trocken und gut bemuskelt mit ausgeprägten Gelenken, das Hinterbein ist normal gewinkelt mit einem breiten und gut eingeschienten Sprunggelenk und elastischer mittellanger Fesselung. Die wohlgeformten harten Hufe passen zu den Proportionen des Pferdes.

Fell und Färbungen

Sie kommen überwiegend als Schimmel vor, eine geringerer Teil sind Braune, selten sind Füchse und vor allem Rappen.

Shagya Araber trabt über die Wiese

Shagya Araber kommen überwiegend als Schimmel vor.

Beschreibung des Interieurs

Shagya-Araber sind sehr temperamentvolle, lebhafte und leistungsbereite Pferde. Sie sind sehr intelligent und wollen dem Menschen stets gefallen. Aufgrund dieser Menschenbezogenheit lassen sich viele Rassevertreter gut regulieren und im Alltag händeln.

Unter dem Reiter überzeugen die Pferde durch ihre hohe Grundrittigkeit, den Willen Neues zu erlernen und Leistung zu erbringen. Shagya-Araber haben sehr gute körperliche Voraussetzungen, sind ausdauernd, zäh und genügsam und bringen durch ihre positive Einstellung alles mit, was man sich von einem Reit- und Sportpferd wünscht.

Wie schwer ist ein Shagya Araber?

Die Pferde haben ein Gewicht von 450 bis 600kg.

Einsatzgebiete der Shagya Araber

Ursprünglich wurden Shagya Araber als Offizierspferde in der Armee eingesetzt. Auch vor der Kutsche waren die edlen, zähen Pferde sehr beliebt. Im Bereich der Zucht spielten Shagya Araber als Veredler anderer Pferderassen in der ganzen Welt eine wichtige Rolle. Heute sind die Pferde für ihre Vielseitigkeit bekannt und beliebt.

Der Shagya-Araber ist die einzige Rasse, die in allen Bereichen des Pferdesports auch mit Spezialrassen bzw. Spezialisten ihrer Sparte bis in die höchsten Klassen konkurrieren kann. Er eignet sich für die Klassische Reiterei(z.B. Delos-Apollon Platzierungen KL M+S für Barockpferde) und den Dressursport (z.B. Shagya XIXXX-11 in Dressur bis Kl M/S ausgebildet)genauso wie für die Distanz(z.B. Weltmeister Hungares) oder auch fürs Polo, es sind hervorragende Springpferde(z.B. Galan, Siege und Platzierungen bis KL S) oder gehen bei Jagden hinter der Meute und sind gleichzeitig sanfte und zuverlässige Freizeitpferde für Kinder und Anfänger. Shagya-Araber waren Siegerhengste auf HLP gegen Warmblüter (z.B. Puschkin R, Warendorf 1994 mit 131,96 P, Nasrallah, Medingen 1981 mit 147,53P, O´Bajar, Medingen 1982, 146,87 P, Koyano 1982 Warendorf mit 129,39 P) und eignen sich selbstverständlich auch fürs Westernreiten und natürlich für den Fahrsport.

Dass die ganze Bandbreite auch mit nur einem Pferd zu machen ist, beweist der Rapphengst Bahadur, der sich nicht nur als Vererber einen Namen gemacht hat, sondern auch in allen Bereichen des Pferdesports eingesetzt wurde und selbst nach einem Schädelbruch durch einen Weideunfall später wieder im Turniersport ging und heute als Kinderreitpferd eingesetzt wird.

Wofür sind Shagya Araber geeignet?

Shagya Araber sind sehr vielseitige Pferde, die dank ihrer guten körperlichen und charakterlichen Eigenschaften in allen Sparten des Pferdesports erfolgreich sein können.

Erbkrankheiten der Shagya Araber

Shagya Araber sind von einigen vererbbaren Krankheiten betroffen. Dazu zählt die cerebelläre Abiotrophie (CA). Bei diesem Gendefekt sterben die Neuronen im Kleinhirn nach und nach ab. Die Folge sind neurologische Ausfälle, die sich durch Gleichgewichtsstörungen, Ataxie und Headshaking bemerkbar machen. Die Symptome können bereits im Fohlenalter auftreten, manchmal werden sie aber auch erst beim Anreiten bemerkt. Viele betroffene Tiere müssen eingeschläfert werden. Einige Pferde überleben die Krankheit, sind allerdings ihr Leben lang eingeschränkt. Der Umgang mit einem erkrankten Pferd ist schwierig, da die Gleichgewichtsstörungen und unkontrollierten Bewegungen für Menschen in der Nähe gefährlich sein können. Es gibt einige Fälle, in denen die Symptome im Alter nachgelassen haben. Geheilt werden kann die Krankheit allerdings nicht.

Eine weitere bekannte Krankheit, die viele Araberpferde betrifft, ist die fortschreitende Depigmentierung von Haut und Fell. Vor allem der Bereich am und ums Maul und an den Augenlidern ist von dem Verlust der Farbpigmente betroffen. Die Erkrankung ist nicht schmerzhaft für die Pferde.

Araber und ihre Nachkommen tragen teilweise auch einen Gendefekt in sich, der sich schwere kombinierte Immundefizienz (SCID) nennt. Bei betroffenen Fohlen ist das Immunsystem nicht vollständig ausgebildet, oft ist der ganze Organismus in der Entwicklung zurück. Dadurch leiden die Tiere unter immer wiederkehrenden schweren Infektionen, die innerhalb weniger Tage oder Wochen oder Monate zum Tod führen.

Auch die Occipital Atlanto-Axial Malformation (OAAM) ist eine Araber-Krankheit. Bei dieser verwachsen die Wirbel in der Halswirbelsäule miteinander. Das Pferd kann dadurch bestimmte Bewegungen nicht mehr ausführen.

Erziehung und Haltung

Die Erziehung eines Shagya Arabers ist in der Regel relativ unproblematisch. Die Pferde sind sehr menschenbezogen und wollen gefallen, weshalb sie bei fairem Umgang schnell zu verlässlichen Sport- und Freizeitpartnern werden. Durch ihr Temperament können die Tiere aber auch aufbrausend sein, wenn ihnen im Laufe der Ausbildung nicht beigebracht wird, wie sie ihr Temperament im Griff behalten können und sie sich im Umgang mit Menschen verhalten sollen. Deshalb ist es – wie bei jeder anderen Pferderasse – wichtig, viel Wert auf eine gute und solide Grundausbildung und -erziehung zu legen. Denn auch wenn Shagya Araber nicht zu den größten und schwersten Pferden gehören, sind sie einem Menschen körperlich gesehen mehr als überlegen.

Shagya Araber gelten als sehr zähe und robuste Pferde, die keine hohen Ansprüche an die Haltung stellen. Wichtig ist, dass die Tiere viel Auslauf bekommen, wo sie ihr Temperament ausleben können. Offenstallhaltung ist in vielen Fällen ideal, denn auch der Kontakt zu Artgenossen ist sehr wichtig. Im Gestüt Báblona werden die Pferde traditionell auf riesigen Weiden gehalten. So entwickeln die Pferde ihre Robustheit, können mit Artgenossen spielen und herumtoben und wachsen natürlich und gesund auf.

Wie alt kann ein Shagya Araber Pferd werden?

Die Pferde haben eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren.

Bekannte Pferde der Rasse

Shagya Araber haben in der Pferdezucht eine große Bedeutung und haben die modernen Sportpferde maßgeblich mitgeprägt. So wurde die osteuropäischen Pferde vor allem zur Veredlung und Verbesserung der Leistungsbereitschaft, der Ausdauer sowie der Zähigkeit anderer Rassen genutzt.

Bekannte und erfolgreiche Pferde, die Nachkommen von Shagya Arabern sind, sind beispielsweise der Anglo-Araber Ramzes AA (aus der Shagy Araber Stute Jordi ShA), der Holsteiner Hengst Bachus 40 (aus Bajar ShA), der Hannoveraner Gotthart (aus Amurath ShA), der Trakehner Herakles TSF (aus Ghazzir ShA) oder die Trakehner Stute White Girl aus (Bajar ShA). Auch der bis zur Klasse S erfolgreiche Hannoveraner Dressurhengst Chiemsee stammt von einem Shagya Araber (Czardas ShA) ab. Als einflussreichster Veredler der Warmblutzucht gelten Bajar ShA und dessen Nachkommen Bazar ShA und Brokat ShA. Weitere bekannte Hengste, die als Veredler beliebt sind, sind Puschkin ShA, Shagal ShA, Obi Wan ShA, Nasrallah ShA und Ghazzir ShA.

Dass Shagya Araber in Film und Fernsehen vorkommen, ist eher selten beziehungsweise spielt die Rasse der Pferde in der Filmindustrie oft keine Rolle. Shagya Araber sind robuster als Vollblutaraber gebaut und daher nicht ganz so elegant wie diese Pferde, weshalb in Filmen eher Vollblutaraber verwendet werden.

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