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Die Anatomie des Pferdes

von Finia Fischer
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Wie sind Pferde körperlich aufgebaut und was bedeutet das für das tägliche Training unserer Vierbeiner? Wie reitet man ein Pferd gesunderhaltend? Auf welche Körperteile muss man besonders Wert legen und wie wirkt alles zusammen? In diesem Artikel sind die wichtigsten Informationen zur Anatomie beim Pferd zu finden. 

Wie heißen die Körperteile des Pferdes?

Pferde besitzen eine Vor-, Mittel- und Hinterhand.

Anatomie beim Pferd – Aufbau des Pferdekörpers

Wie ein Pferd aussieht, weiß jeder. Aber wie genau ist der Pferdekörper aufgebaut und welche Unterscheidungsmerkmale gibt es?

Fangen wir einmal ganz von vorn an. Wie beim Menschen gibt es auch bei Pferden unterschiedliche Körpertypen. Die einen sind eher leicht gebaut, das heißt sie sind zierlich und schlank, die anderen eher mittelschwer bis schwer. Nicht nur der Futterzustand ist für diese Unterteilung entscheidend, vielmehr ist der ganze Körper zu betrachten. So fällt ein Kaltblut mit seinen dicken, stabilen Beinen unter den schweren Typ, während Rennpferde mit sehr dünnen Beinen eher dem leichten Typ zuzuordnen sind. Der Körpertyp ist in der Regel rasseabhängig

Wenn man sich die Körper unterschiedlicher Pferde betrachtet, sieht man auch, dass es unterschiedliche Formate gibt. Im Lang- oder Querrechteckformat ist die Höhe des Pferdes (gemessen am Widerrist) kleiner als die Länge des Pferdes (von der Brust bis zum Schweif). Das Pferd hat also einen relativ langen Rücken. Im Hochrechteckformat ist dies genau umgekehrt, also die Höhe ist größer als die Länge. Das Pferd hat dementsprechend einen sehr kurzen Rücken. Sind die Höhe und die Länge in etwa gleich groß, spricht man vom Quadratformat.

Bei Pferden unterscheidet man drei große Körperpartien, die Vor-, Mittel- und Hinterhand. Zur Vorhand gehören der Kopf, der Hals, die Schulter sowie der Widerrist und die Vorderbeine. Der Rumpf bildet gemeinsam mit dem Brustkorb, dem Rücken und den Flanken die Mittelhand. Hüfte, Kruppe, Hinterbeine und Schweif formen die Hinterhand. 

Wozu dienen die Tasthaare rund um das Pferdemaul?

Die Tasthaare dienen der Erkundung der Umgebung.

Seitenansicht Anatomie Pferd

Wie beim Menschen gibt es auch bei Pferden unterschiedliche Körpertypen.

Anatomie beim Pferd – Das Skelett

Pferde besitzen über 200 einzelne Knochen, vom Kopf über den Rücken und die Wirbelsäule bis hin zu den Gliedmaßen. Diese schützen die Weichteile und die Organe vor äußeren Einwirkungen. Somit kann man das Skelett als eine Art Schutzgerüst verstehen. Ein gutes Beispiel, um dies zu verdeutlichen sind die Rippen. Ein Pferd besitzt 18 Rippenpaare, die sehr stabil sind. Sie schützen das Herz und die Lunge.

Zusammengehalten und verbunden werden die Knochen durch Sehnen, Bänder und Gelenke. Pferde wachsen bis sie etwa fünf oder sechs Jahre alt sind. Bis dahin ändert sich das Skelett noch. Dies sollte man beim Training von jungen Pferden stets bedenken und eine Überlastung unbedingt vermeiden.  

Kopf

Im Vergleich zum Pferdekörper ist der Kopf relativ groß. Es gibt verschiedene Kopfformen, die teilweise rassespezifisch sein können. Neben dem geraden Kopf gibt es einen Keilkopf (Nasenrücken leicht nach innen gewölbt, oberer Teil des Kopfes breiter als unterer Teil), Hechtkopf (Nasenrücken stark nach innen gewölbt), Ramskopf (Nasenrücken stark nach außen gewölbt), Ramsnase (unterer Teil des Nasenrückens nach außen gewölbt), Schafskopf (nach oben gewölbte Stirn) und Schweinskopf (hohe Stirn, Nasenrücken nach innen gewölbt).

Die Augen des Pferdes befinden sich seitlich am Schädel. Dadurch können die Fluchttiere ihre Umgebung sehr gut beobachten. Ohne den Kopf drehen zu müssen haben Pferde einen 270 Grad Sehwinkel. Diese Anatomie war für die Pferde in der Wildnis lebensnotwendig, um Raubtiere frühzeitig zu entdecken. Aus diesem Grund sehen Pferde Bewegungen sehr präzise, das Farbsehen und die Tiefenschärfe sind hingegen weniger ausgeprägt.

Mit den Ohren kommunizieren Pferde mehr als man vielleicht denkt. Die Ohren sind stark bemuskelt und sehr beweglich. Je nach Position kann das Pferd seinen Artgenossen viel über seine Stimmung sagen. So sind angelegte Ohren beispielsweise ein Zeichen der Abwehr. Im Training ist es daher sehr wichtig die Ohren zu beobachten. Hört das Pferd dem Reiter zu oder scannt es die Umgebung? Legt das Pferd die Ohren an, weil im etwas nicht gefällt oder ist es so locker, dass die Ohren anfangen zu wackeln?

Pferde sind Dauerfresser und ernähren sich hauptsächlich von Gras bzw. in menschlicher Obhut auch von Heu. Dafür brauchen sie gute Zähne, die die Nahrung zerkleinern können. Stuten besitzen 36 Zähne, davon sind zwölf Schneidezähne (jeweils sechs im Oberkiefer und sechs im Unterkiefer) und 24 Backenzähne. Bei Hengsten kommen in der Lücke dazwischen oft noch Hengstzähne vor. Einige Pferde haben auch noch kleine, spitze Zähne, die sogenannten Wolfszähne, die vor oder neben den Backenzähnen wachsen. Oft sind diese Zähne störend und verursachen Schmerzen, sodass sie vom Tierarzt entfernt werden. 

Warum ist eine aktive Hinterhand so wichtig?

Nur wenn die Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt tritt, kann sich der lange Rückenmuskel dehnen und aufwölben und so den Reiter korrekt tragen.

Wirbelsäule und Rücken als Teil der Anatomie beim Pferd

Die Wirbelsäule ist die Verbindung von Vor- und Hinterhand und muss ein großes Gewicht aushalten. Neben dem eigenen Körpergewicht des Pferdes kommen beim Reiten auch das Gewicht des Reiters sowie des Equipments dazu. Die Wirbelsäule bei Pferden setzt sich aus fünf Abschnitten zusammen: 

  • Halswirbelsäule: Schädel bis Schulterblätter (7 Wirbel)
  • Brustwirbelsäule: Schulterblätter bis hinter die Sattellage (18 Wirbel)
  • Lendenwirbelsäule: Hintere Sattellage bis Kruppe (6 Wirbel, je nach Rasse können es aber auch 5 oder 7 sein)
  • Kreuzbein (5 Wirbel, diese sind miteinander verwachsen)
  • Schweif (20 bis 22 Wirbel)

Die Halswirbelsäule ist sehr beweglich, das erkennt man beispielsweise daran, dass Pferde sich problemlos an der Kruppe oder an den Hinterbeinen mit dem Maul kratzen können. Der Übergang zum Schädel, den ersten Wirbel, nennt man Atlas. 

Die Dornfortsätze der ersten acht bis zwölf Wirbel der Brustwirbelsäule bilden den Widerrist aus, an dem die Höhe eines Pferdes gemessen wird. Im weiteren Verlauf der Brustwirbelsäule verbinden Gelenke die Rippen mit der Wirbelsäule und bilden so den stabilen Rumpf des Pferdes. 

Welcher Muskel trägt den Reiter?

Der lange Rückenmuskel trägt das Reitergewicht. Insgesamt ist es aber ein Zusammenspiel vieler Muskelgruppen, die zum Reiten benötigt werden.

Pferd in Bewegung

Die Wirbelsäule ist die Verbindung von Vor- und Hinterhand und muss ein großes Gewicht aushalten. Nicht nur das eigene, sondern auch das Reitergewicht kommen dazu.

Wie wirken Hinterhand und Rücken zusammen?

Warum ist eine aktive Hinterhand eigentlich so wichtig und was hat diese mit der Gesunderhaltung des Pferdes zu tun? 

Die Hinterhand, hier besonders das Becken ist über das Kreuzbein, also eine knöcherne Verbindung, fest mit der Lendenwirbelsäule verbunden. Wenn die Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt tritt (Faustregel: Der Hinterhuf sollte vollständig in den Abdruck des Vorderhufes treten, besser sogar davor auffußen), kippt das Becken nach hinten ab. Dadurch wird die Lendenwirbelsäule aufgewölbt und die gesamte Oberlinienmuskulatur (Hals, Rücken, Kruppe) gestärkt. Diese Muskulatur braucht das Pferd unbedingt, um das Gewicht des Reiters korrekt tragen zu können. 

Tritt die Hinterhand nicht richtig unter den Schwerpunkt, kann sich die Lendenwirbelsäule nicht aufwölben. Das Pferd läuft im Hohlkreuz, die Muskulatur kann sich nicht ausbilden, um den Reiter zu tragen. Der Reiter sitzt quasi direkt im Hohlkreuz des Pferdes. Es beginnt ein Teufelskreis: Das Pferd hat Schmerzen, weil es den Reiter nicht mit der Muskulatur abfedern kann und geht weiter ins Hohlkreuz, die Hinterhand kann so nicht mehr untertreten. 

Anatomie beim Pferd – Die Beine

Vorderbeine

Das meiste Gewicht tragen die Vorderbeine, je nach Körperbau sind das etwa 65% des gesamten Pferdegewichts. Vor allem bei abrupten Bremsungen oder bei der Landung nach dem Sprung kann die Belastung um ein Vielfaches ansteigen. Im dressurmäßigen Training muss es deshalb stets das Ziel sein, das Gewicht von den Vorder- auf die Hinterbeine zu verlagern (das Pferd soll bergauf gehen), um den körperlich bedingten Belastungsunterschied auszugleichen. 

Die Vorderbeine bestehen aus Oberarmknochen, Speiche, Elle, Röhrbein, Griffelbein, Gleichbein, Fesselbein, Kronbein, Hufbein, Strahlbein und den Knochen am Fußwurzelgelenk. Sechs Gelenke sorgen für die Beweglichkeit der Vorderbeine, das sind das Schultergelenk, das Ellenbogengelenk sowie das Karpalgelenk und drei Zehengelenke. 

Hinterbeine

Die Hinterbeine sind sehr kräftig und sind dafür verantwortlich den Pferdekörper in Bewegung zu setzen. Sie setzen sich aus Oberschenkelknochen, Schien- und Wadenbein, Fersenbein und Röhrbein zusammen. Es gibt ebenso wie bei den Vorderbeinen sechs Gelenke: Das Fesselgelenk, das Krongelenk, das Hufgelenk sowie drei Zehengelenke. 

Hufe

Ohne Huf kein Pferd“ – diesen Spruch kennt jeder Pferdebesitzer. Der Huf ist ein sehr wichtiger Teil des Pferdekörpers, der dafür sorgt, dass die Pferde laufen können. 

Den Knochen im Huf nennt man Hufbein. Dieser hat eine dreieckige Form, so werden alle Bereiche möglichst gleichmäßig belastet. Die Winkel des Dreiecks sind von Tier zu Tier unterschiedlich. Das Bein sollte senkrecht über dem Huf stehen, um Fehlbelastungen zu vermeiden. Aller sechs bis acht Wochen sollte sich ein Hufschmied oder –pfleger den Huf ansehen und ausschneiden. So kann eine gute Form bewahrt werden. Für Pferde mit einer schlechten Hornqualität oder Fehlstellungen sind Hufeisen empfehlenswert.

Außerdem befindet sich das Strahlbein und das Kronbein im Huf. Das Strahl- und das Ballenpolster sowie die Hufkapsel aus Horn (bestehend aus Hufwand, Hufsohle und Strahl) federn Bewegungen ab und schützen die Knochen. 

Die Verbindung zwischen Skelett und Hufkapsel ist die Huflederhaut, die auch für die Hornproduktion zuständig ist. Zum Abrollen des Hufes dient die Hufrollen, die sich aus Teilen des Strahlbeins, der tiefen Beugesehne und dem Hufrollenschleimbeutel zusammensetzt. 

Welches Organ ist bei den Pferden besonders groß und wichtig?

Die Haut ist das größte Organ, auch die Lunge ist sehr groß und wichtig für die Fluchttiere.

Anatomie beim Pferd – Die Haut

Wie beim Menschen auch ist die Haut das größte Organ. Sie ist für die Wärmeregulierung, die Regulation des Blutdrucks und den Schutz des Körpers zuständig. 

Die Haut ist dreischichtig aufgebaut: Oberhaut, Lederhaut, Unterhaut. Die mit Fell bedeckte Oberhaut ist pigmentiert. Sie besteht aus einer Hornschicht aus abgestorbenen Hautzellen und einer Keimschicht, in er neue Zellen gebildet werden. Die darunterliegende Lederhaut besteht aus Bindegewebe, Sinneszellen, Nerven, (Talg)drüsen und Blutgefäßen. Außerdem dient sie als Blutspeicher. Aus lockerem Bindegewebe und Fettgewebe sowie Schweißdrüsen setzt sich die Unterhaut zusammen. 

Was sind die anatomischen Besonderheiten eines Pferdes?

Pferde besitzen einen relativ kleinen Magen, sowie ein kleines, aber sehr leistungsstarkes Herz.

Anatomie beim Pferd – Innere Organe

Magen-Darm-Trakt

So groß wie Pferde sind, so klein ist doch ihr Magen. Er besitzt ein Fassungsvermögen von 15 bis 20 Litern. Der Magen produziert ständig Magensäure, die nur durch Nahrungsaufnahme abgepuffert werden kann. Um also eine Übersäuerung und das Risiko von Magenschmerzen und –geschwüren zu verhindern, sollte das Pferd möglichst rund um die Uhr Raufutter zur Verfügung haben. Fresspausen von mehr als vier Stunden müssen unbedingt vermieden werden. 

Kraftfuttergaben sollten nie vor der Arbeit und immer nur nach ausreichender Raufuttergabe erfolgen. Das hat folgenden Hintergrund: Beim Kauen von Raufutter braucht das Pferd eine gewisse Zeit, es wird viel Speichel gebildet, der wiederum die Magensäure abpuffern kann. Kraftfutter wird von Pferden meist sehr schnell gefressen, mit entsprechend weniger Speichelbildung. So kann so, vor allem in Kombination mit zu wenig Raufutter, schneller zu einer Übersäuerung kommen. 

Im Vergleich zum Magen ist der Darm wiederrum sehr lang. Schon allein der Dünndarm besitzt eine Länge von etwa 20 Metern. Der Dickdarm (inkl. Grimm- und Blinddarm) ist weitere 10 Meter lang. 

Herz

Auch das Herz ist verglichen mit der Körpergröße relativ klein. Es macht weniger als ein Prozent des Körpergewichtes aus. Das Herz eines Pferdes schlägt 30 bis 40 Mal pro Minute. Dieser ruhige Puls kann sich innerhalb weniger Sekunden auf bis zu 250 Schläge pro Minute erhöhen. Dies ist durch ein sogenanntes Typ-B-Herz möglich. Durch die gleichmäßige Verteilung der elektrischen Weiterleitungen überall im Herzmuskel können sich die Muskeln besonders schnell und effizient zusammenziehen. Diese Eigenschaft ist typisch für Fluchttiere, die in Sekundenschnelle reagieren können müssen. Mit dem Anstieg der Herzfrequenz wird auch das Blutvolumen um etwa 50 Prozent erhöht, wodurch mehr Sauerstoff zur Verfügung steht. 

Was solltest Du unbedingt über die Anatomie des Pferdes wissen?

Der Pferdemagen ist sehr klein und produziert ständig Säure, deshalb muss unbedingt auf eine kontinuierliche Raufutteraufnahme geachtet werden.

Atmung als Teil der Anatomie beim Pferd

Die Pferdelunge ist eine der größten im gesamten Tierreich, vollständig ausgebreitet wäre sie etwa so groß wie zehn Tennisplätze. Die Lunge kann etwa 40 bis 55 Liter Luft aufnehmen. Die Atmung im Ruhezustand erfolgt etwa 8 bis 15 Mal pro Minute. Unter Belastung steigt die Frequenz auf bis zu 150 Atemzüge pro Minute, um den Körper optimal mit Sauerstoff zu versorgen. 

Das ganze Atmungssystem setzt sich aus Nüstern, Nasenlöchern, Nasenhöhle, Nasennebenhöhlen, Nasenrachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Alveolen und der Lunge zusammen. 

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