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Morgan Horse

von Michelle Breitenfeld
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Mit dem Morgan Horse präsentiert sich eine Pferderasse aus den USA, die in Europa eher gering verbreitet ist und deren Hauptzuchtgebiet nach wie vor in ihrer amerikanischen Heimat liegt. Die robusten, umgänglichen und vielseitig einsetzbaren Pferde sind die weltweit einzige Rasse, die in ihrem Ursprung ausschließlich auf einen Gründungshengst, den 1789 geborenen Stammvater Figure, zurückgeht. Dieser war in Besitz des Namensgebers Justin Morgan und legte mit seinen außergewöhnlichen Eigenschaften und seiner Vererbungskraft den Grundstein für die Entwicklung des Morgans, das sich heute mehr denn je durch einen gutmütigen Charakter, Mut und Zuverlässigkeit sowie Vielseitigkeit und Intelligenz auszeichnet.

Morgan Horse – Zuchtgeschichte und Ursprung

Morgan Horses gehen in ihrem Ursprung auf den Gründungshengst Figure zurück, der im Jahr 1789 geboren und zum Stammvater der Pferderasse wurde. Der nur etwa 1,40 Meter große, braune Hengst wies einen gut bemuskelten Körperbau mit einer hohen Aufrichtung und einem kurzen Rücken auf und machte durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten von sich Reden. Er war äußerst schnell, sehr kräftig und edel in seiner Erscheinung, aber zugleich auch umgänglich und vielseitig talentiert und führte wahrscheinlich das Blut Englischer Vollblüter oder von Welsh und Arabern in sich. Sein Besitzer, der Musiklehrer Justin Morgan, war namensgebend für die heutige Rasse und konnte Figure sowohl für die Arbeit auf dem Feld als auch bei Galopp- und Trabrennen oder zum Fahren einsetzen.

Seine unvergleichliche Begabung und die sportlichen Erfolge machten den Hengst über seine Heimatregion, den Neu-England-Staaten Amerikas, hinaus berühmt und führten dazu, dass er vielfach als Deckhengst eingesetzt wurde. Durch seine dominante Vererbungskraft legte er den Grundstein für die Rasse Morgan, die das Geschehen bei Trab- und Galopprennen Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund ihres Kampfgeistes und der Schnelligkeit beherrschte. So wurde der Hengst Ethan Allen 50, ein Urenkel des Gründungshengsts, zum ersten Traber, der eine Meile in zweieinhalb Minuten absolvierte, und schon im Alter von vier Jahren Weltmeister. Geerbt hatte er diese Fähigkeit von Figure, der als begehrter Deckhengst auch andere amerikanische Pferderassen wie das Quarter Horse oder das Tennessee Walking Horse in ihrer Entwicklung beeinflusst und veredelt hat. Vor allem war er mit seiner einmaligen Vererbungskraft aber maßgeblich für die Entstehung der Rasse Morgan, die sich durch ihn erst entwickeln konnte.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Arbeit der Pferde auf dem Feld zunehmend durch den Einsatz von Traktoren und Maschinen ersetzt. Dies hatte auch Folgen für das Morgan Horse, dessen Bestand zeitweise deutlich sank, ehe sich Züchter und Pferdeliebhaber der großen Bedeutung der Rasse in den USA bewusst wurden. Zum Erhalt trug im Wesentlichen ein Regierungsprogramm bei, aus der die UVM Morgan Horse Farm hervorging. Diese bildet bis heute den Mittelpunkt der Morgan Zucht und bringt immer wieder typvolle, dem Rassestandard entsprechende Pferde hervor, die sich als gutes Zuchtmaterial erweisen.

Nach Deutschland kam das erste Morgan Anfang der 1970er Jahre, als ein US-Soldat sein Pferd aus seiner Heimat mitbrachte – der Beginn für eine Vielzahl an Importen. Dennoch avancierte das Morgan im Gegensatz zu anderen Rassen nicht zu einem Modepferd. Auch dieser Umstand trug sicherlich dazu bei, dass züchterische Fehler umgangen und eine qualitätsorientierte Zucht aufgebaut werden konnten. Die Etablierung der Rasse erfolgte nicht zuletzt durch die Gründung der Deutschen Morgan Horse Association e.V. im Jahr 1989, die sich der Reinerhaltung im Sinne der Rassestandards des amerikanischen Zuchtverbandes widmet.

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Wie schwer wird ein Morgan Horse?

Ein Morgan Horse wiegt schätzungsweise 600 bis 700 kg.

Aussehen (Exterieur) des Morgan Horse – ein wohlproportioniertes Pferd mit eleganter Erscheinung

Das Morgan Horse zeigt sich mit einem wohlproportionierten Gebäude und soll bei einem Stockmaß von etwa 140 bis 155 Zentimetern im Typ eines ausdrucksstarken und eleganten Reitpferdes stehen. Der Kopf ist durch große Augen, das leicht konkave bis gerade Profil und eine breite Stirn sehr ausdrucksvoll und weist feste Lippen, gut abgerundete Backen und große Nüstern auf. Die ansprechend geformten und kurzen Ohren stehen vergleichsweise weit auseinander. Eine Morgan Stute hat rassetypisch etwas längere Ohren. Der Körperbau zeichnet sich durch einen gut geschwungenen und sich verjüngenden Hals aus, der gut an der schrägen und langen Schulter ansetzt.

Morgan Horse im Profil

Der Kopf ist durch große Augen, das leicht konkave bis gerade Profil und eine breite Stirn sehr ausdrucksvoll und weist feste Lippen, gut abgerundete Backen und große Nüstern auf. Die ansprechend geformten und kurzen Ohren stehen vergleichsweise weit auseinander.

Der Widerrist ist sehr markant und reicht weit in den Rücken hinein. Außerdem sieht das Zuchtziel eine breite und tiefe Schulter von ausreichender Länge, eine muskulöse Kruppe und einen relativ hoch angesetzten Schweif vor. Unerwünscht sind hingegen eine zu hohe Kruppe oder ein zu langer und wenig bemuskelter Rücken. Ebenso kräftig zeigt sich auch das Fundament mit seinen trockenen Gliedmaßen und einer guten Knochenqualität. Die Röhrbeine sind kurz und fest mit einer geraden Stellung und gut gewinkelten Hinterbeinen. Die Hufen sollen sich durch eine feste Hornsubstanz, eine gute Sohlenwölbung und eine ansprechende, nicht zu flache und nicht zu steile Form auszeichnen. Mit Blick auf die Fellfärbung sind beim Morgan Horse alle Farben erlaubt. Meist kommen jedoch Braune und Rappen oder auch Füchse vor.

Gang des Morgan Horse

Die Rasse verfügt über raumgreifende, taktreine Grundgangarten mit viel Elastizität in der Bewegung. Ihre Vertreter zeigen eine deutliche Knieaktion und eine gut untertretende Hinterhand. Im Trab sollen die Morgans sich frei, aufrecht, ausbalanciert und versammelt bewegen. Der Galopp ist im besten Fall geschmeidig und leichtfüßig und auf der rechten wie auf der linken Hand gleich gut. Neben Schritt, Trab und Galopp hat der außergewöhnliche Vierbeiner auch andere, spektakuläre Gänge im Repertoire. Die gangveranlagten und somit mehrgängigen Exemplare der Rasse können als Gangpferde bezeichnet werden. Der von der American Morgan Horse Association (AMHA) aufgestellte Rassestandard spricht jedoch nur von drei Gangarten. Das deutsche Pendant zur AMHA ist die Deutsche Morgan Horse Association e.V. (DMHA).

Wie groß wird ein Morgan Horse?

Das Stockmaß liegt bei 145 bis 160 cm.

Charakter (Interieur) des Morgan Horse

Das Morgan Horse gilt als edles und lebhaftes Pferd, das sehr robust, anpassungsfähig und ausdauernd ist. Die Pferderasse zeichnet sich zudem durch eine schnelle Auffassungsgabe, hohe Intelligenz und einen sanften, gutmütigen Charakter aus. Aufgrund ihrer natürlichen Menschenbezogenheit sind Morgans umgänglich und zeigen sich im Training mit viel Arbeitswillen und Eifer. Dort werden sie von ihren Reitern besonders wegen ihres freundlichen und willigen Charakters geschätzt. Auch für Reitanfänger und Kinder eignen sie die sanften Tiere gut. Diesen Pferden wird sogar eine gute Eignung als Erstpferd nachgesagt. Darüber hinaus sind sie vielseitig talentiert, nervenstark und zuverlässig – ideale Eigenschaften für das Reiten oder Fahren. An den Lebensstil ihrer Besitzer passen sich die Morgans meist problemlos an. Die robusten Tiere sind belastbar und haben eine schnelle Regenerationsfähigkeit. Auch Merkmale wie Wachsamkeit und Lebhaftigkeit zeichnen das Morgan Horse aus. Diese Eigenschaften wirken sich jedoch – im Gegensatz zu einigen anderen Pferderassen – nicht negativ auf die Trainierbarkeit und die Haltung der Tiere aus. Ob Stute oder Hengst: Pferde dieser Rasse bringen eine gesunde Portion Temperament mit, welches sie mit Sanftmut und Gutmütigkeit vereinen. Sie eignen sich daher auch ideal für unterschiedliche Therapieformen im Rahmen der Reittherapie.

Wie alt wird ein Morgan Horse?

Ein Morgan Horse hat eine Lebenserwartung von ca. 30 Jahren.

Einsatzgebiete des Morgan Horse

Pferde der Rasse Morgan Horse sind äußerst vielseitig. Als Sportpferde werden sie gerne im Dressur- und Springreiten, aber auch im Voltigieren eingesetzt. Besonders talentiert zeigt sich das Morgan Horse jedoch im Fahrsport, wo es durch seine elegante Erscheinung begeistert. Hier sind sie vor allem in den USA häufig bei kombinierten Fahr- und Kutschwettbewerben anzutreffen. Darüber hinaus sind die freundlichen Morgan Horses bei Anfängern und Kindern sehr beliebt. Ihnen bietet das Morgan Horse auch als Schulpferd im Reitunterricht Sicherheit. Mit den Morgens lassen sich zudem lange Ausritte unternehmen und die Tiere sind für die ganze Familie geeignet.

Der ideal gebaute Körper des Morgan Horses prädestiniert das Pferd nicht nur für den Einsatz sportlicher Disziplinen. Auch im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861-1865 war das Morgan Horse ein zuverlässiger Partner. Der Krieg brachte jedoch auch für diese Pferderasse große Verluste. Die Population der Morgan Horses ging während dieser Zeit drastisch zurück. Mit der angeborenen Sanftmütigkeit überzeugt der amerikanische Allrounder auch Reittherapeuten in ganz Europa. Sensibel und menschenbezogen schaut das Morgan Horse als Therapiepferd direkt in die Herzen seiner kleinen und großen Patienten. Während der Zusammenarbeit zeigt es sich äußerst gelassen und zuverlässig. Erfahrungen bestätigen dies. Ein solches Horse-Powerment bietet beispielsweise die Reittherapie Walbeck in Geldern-Walbeck.

Morgan Horse galoppiert über Wiese

Das Morgan Horse eignet sich gut für Anfänger und Kinder.

Weil Morgan Horses über eine hohe Lernfähigkeit und Gelassenheit verfügen, kommen sie vor allem für eine Ausbildung, die western geprägt ist, in Betracht. Das Vorzeigen der hohen Vorhandaktion des Pferdes nutzen Präsentatoren auch gerne im Rahmen der amerikanischen Show-Betriebe.

Wer sich für Zucht und Verkaufspferde interessiert oder ein Pferd dieser Rasse kaufen möchte, wird in Deutschland schnell fündig. Seit 2009 konzentrieren sich die Züchter auf der Upper Love Creek Farm in Odenwald auf die Zucht und den Verkauf von Morgan Horses, oder wie sie dort auch genannt werden: Odenwald Horses.

Besondere Merkmale der Rasse

Im Gegensatz zu vielen anderen Pferderassen ist das Morgan Horse erst mit acht Jahren ausgewachsen. Außerdem sind die Tiere mit einer Lebenserwartung von ungefähr 30 Jahren verhältnismäßig langlebig. Hervorzuheben ist auch sein intelligenter und freundlicher Charakter. Es heißt sogar, das Morgan Horse habe durchaus Humor. Nicht zuletzt ist ihr freundlicher und gutmütiger Charakter zu betonen, der Tiere dieser Rasse zu guten Erstpferden macht.

Haltung und Fütterung des Morgan Horse

Das Morgan Horse gilt im Allgemeinen als robust und einfach in der Haltung. Wie bei allen Pferden ist der regelmäßige Weidegang für die körperliche und geistige Gesundheit der Tiere wichtig. Allerdings ist bei Weiden mit üppig wachsendem Gras Vorsicht geboten: Vor allem im Frühjahr können die Weiden für Morgan Pferde nicht sicher sein, da das Gras im Frühling viel Zucker enthält. Dieser kann insbesondere bei Morgans, aber auch bei Pferden mit Stoffwechselproblemen zu Hufrehe führen. Auch das gefütterte Heu sollte zucker- und stärkearm sein, um eine übermäßige Aufnahme von Energie und Zucker zu vermeiden. Aufgrund der Neigung zu Übergewicht und Stoffwechselproblemen ist eine ausgewogene Ernährung für diese Rasse besonders wichtig. Am besten ist eine regelmäßige Fütterung mit kleinen Portionen mehrmals am Tag. Das Futter sollte nach Gewicht und nicht nach Volumen dosiert werden und ausreichend Ballaststoffe enthalten. Außerdem muss es dem Alter, dem Gewicht, der Arbeitsbelastung und der Kondition des Pferdes angepasst sein. Nicht zuletzt sollte den Pferden rund um die Uhr frisches Wasser zur Verfügung stehen.

Erbkrankheiten der Rasse

Die meisten Morgan Horses sind gesunder Natur. Dennoch können einige Exemplare die Erbkrankheit PSSM1 (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) aufweisen. Diese Muskelerkrankung tritt vor allem bei stark bemuskelten Pferden, wie Haflingern, einigen Kaltblutrassen und Morgan Horses auf. Sie gehört zu den häufigsten Muskelerkrankungen bei Pferden und ist nicht heilbar. Große Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate, wie sie in Getreide, Äpfeln und Melasse enthalten sind, können einen Ausbruch von PSSM verursachen. Selten setzt sich das Overo-Lethal-White-Syndrom durch. Die mit diesem Syndrom geborenen Fohlen sind vollständig weißer Farbe und sterben innerhalb nur weniger Tage.  Sind die Augen betroffen, kann es sich um eine kongenitale okuläre Anomalie (MCOA) handeln. Die daraus resultierenden Wucherung des Augengewebes versperrt dem Pferd die Sicht. Die Krankheit, die auch ASD genannt wird, hat eine Verbindung zum Silver-Dapple-Gen. Sie soll im Vergleich zu anderen Pferderassen aber nicht häufig auftreten. Pferde mit dem Silver-Dapple-Gen haben oft ein helleres Fell und manchmal eine silbrig erscheinende Mähne.

Wofür ist ein Morgan Horse geeignet?

Ein Morgan Horse ist für alle Reitsparten geeignet.

Bekannte Pferde der Rasse aus Film und Fernsehen

Den sanften und gutmütigen Charakter der Morgan Horses nutzte der Filmemacher Joseph Marconi für ein unabhängiges Filmprojekt mit dem Namen „Wild Animal“. Nicht zu verwechseln ist das Projekt mit einem gleichnamigen Film von 1980. Die Hälfte der Pferde am Filmset wurden von Morgan Horses gestellt. Interessierte können das auf der Webseite der American Morgan Horse Association (AMHA) nachlesen. In dem Film geht es um eine junge Frau, die sich im Zuge der Vergangenheitsbewältigung vergeblich als „Käfigkämpferin“ zu etablieren versucht. Nach Scheitern und Festnahme bekommt sie durch eine richterliche Anordnung die Chance, ihre traumatisierenden Erlebnisse im Rahmen einer Pferdetherapie in einem Pferdetherapiezentrum zu heilen.

Das Morgan Horse entdeckte die Filmindustrie bereits im Jahr 1972. Mit dem Film „Justin Morgan Had a Horse“ verfilmten amerikanische Produzenten den gleichnamigen historischen Kinderroman, der von der Autorin Marguerite Henry geschrieben wurde. Dreh- und Angelpunkt sind zwei Fohlen, von denen eines später als Grundlage für die Entstehung der Rasse der Morgan Horses dient. Die Filmgeschichte spielt in der Zeit kurz nach der Beendigung des Unabhängigkeitskrieges. Der Musiklehrer Justin Morgan zieht das Fohlen auf und tauft den später nur 140 cm großen braunen Hengst auf den Namen „Figure“.

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